Das Alphazet
»Und noch vor zehn (!) Minuten, nach ein paar Schlucken warmen
Wassers, das ich nach dem Aufstehen in der Früh brauche, dachte ich
an nichts anderes, als dass ich Ihnen schreibe, wie ich gestern
beinahe sofort nach der New Yorker Ernüchterung – das bleibt sie
jedenfalls (obwohl ich das schon wußte; ich habe schließlich fast
ein Jahrzehnt lang, nicht zu glauben, in einer amerikanischen
Schule unterrichtet), mit oder ohne Sloterdijk – das
Mersmann-Schödlbauer’sche Alphazet, heruntergeladen und geöffnet
habe (EPUB). Und da habe ich nicht umhin können, mir vorzustellen,
wie diese doch brodelnde Gedankenküche ihre Existenz behaupten muss
– gegenüber der geradezu scheußlichen Weltrealität, die wir da
täglich einatmen. Es sind ja unheimliche Wortbildungen da drin –
und Vorstellungen, die richtiggehend einer anderen ›Gegen‹-Sphäre
entspringen und in diesem tellurischen Geistes-Entwurf fortan
kreisen müssen. Kompliziert wie eine der berühmten astronomischen
Uhren, die nicht mehr repariert werden können, weil uns das Zeug
dazu fehlt. Eine Notwendigkeit, also. Eine gesellschaftliche
Notwendigkeit. Was bleibt mir noch gegen die ubiquitäre Wallstreet
und die Thatcherische Ausdünnung aller Meistersingerischen Substanz
unserer Berufe und noch erhalten gebliebenen Lebensweisen? Das
Alphazet – ich kenne es noch zuwenig, verspreche mir jedoch viel
davon – könnte wohl, wenn nicht etwas von unserer verlorenen
›Ursprünglichkeit‹ zurückgeben, so uns doch zeigen, wohin einmal
der Weg ging, der nun verwüstet ist.«
Suitbert Oberreiter
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