Enzyklopädien des Imaginären

Enzyklopädien des Imaginären

Literatur als Reflexion über Wissen

Literatur verhält sich reflexiv zu außerliterarischen Wissensdiskursen, indem sie diese zitiert, imitiert, parodiert, simuliert, sie explizit thematisiert oder zum Gegenstand von Anspielungen macht. Sie bezieht sich nicht nur inhaltlich auf Gegenstände, Thesen und Theoreme verschiedenster Disziplinen, sie setzt sich auch mit den Formen wissenschaftlicher Darstellung auseinander. Dadurch werden Wahrheits- und Gültigkeitsansprüche der Wissensdisziplinen kritisch reflektiert; die konstitutive Bedeutung von Darstellungsmedien und Wissensordnungen für die erfahrene Welt wird evident. Literarische Genres wie der fingierte Forschungsbericht oder die fiktionale historiographische Darstellung sind einem solchen Anliegen besonders offensichtlich verpflichtet; Analoges gilt für die verschiedenen Spielformen literarischer Lexikographik, Enzyklopädistik, Topographie und Artenkunde (etwa in Form von Bestiarien). Als Reflexion über wissenschaftliches Wissen und die diskursiven Spielformen seiner Vermittlung hat Literatur einen hybriden Zug...

Enzyklopädien des Imaginären
A. Ausgangsüberlegungen
Acta Litterarum

Aufsätze aus Globkult

Welttheater und Weltgericht

Umberto Eco hat den Kriminalroman in seinem Nachwort zu Der Name der Rose als ›metaphysische Gattung‹ bezeichnet, da sein zentrales Thema die Wahrheitssuche sei. Mit noch größerem Recht lässt sich das über Gerichtsprozesse sagen: Zielen diese doch ebenfalls darauf ab, die Wahrheit aufzudecken – und zudem geht es dabei um Fragen von Recht und Unrecht. Vorausgesetzt ist, dass es eine aufzudeckende Wahrheit gibt und dass sie durch das Gericht feststellbar ist. Dazu müssen Wissenslücken gefüllt, Täuschungen aufgedeckt und Ausflüchte (des Angeklagten) entkräftet werden. Zur ›Normalidee‹ eines Gerichtsprozesses, an der wir uns zu orientieren pflegen, gehören neben einem Richter, einem Angeklagten, einem Vertreter der Anklage und einem Verteidiger die Existenz einer Rechtsordnung, die den Maßstab für die Feststellung von Schuld oder Unschuld bietet, sowie eine Öffentlichkeit, vor der die Verhandlung stattfindet. Diese repräsentiert die Gemeinschaft, die an die bestehenden Gesetze gebunden ist, ja durch diese als Gemeinschaft erst...

Welttheater und Weltgericht. Gelingende und scheiternde Metalepsen bei Friedrich Klingemann (Bonaventura), Lewis Carroll, Franz Kafka und Marc-Antoine Mathieu
Die Laterna magica der Erzählung. Ein Bilderzeugungsverfahren als poetologische Metapher
Grenzen des Sichtbaren – Entgrenzungen des Blicks. Metaphorisierung optischer Metaphern und Selbstverständigung der Literatur bei Jean Paul, E.T.A. Hoffmann und Georges Perec
Geisterphotographie im Spiegel literarischer Texte
Literarische Bilder der Photographie. Zu metaphorischen Prozessen im Spannungsraum zwischen Sprache und Visualität

Zeichnungen in Grabbeau

Grabbeau

Portraits, Portraits

Frühling bei Wanne-Eickel

Venezia quasi presente