
Der Roman ist das schwarze Loch der Prosa. Sie verschwindet in ihm, unaufhaltsam, allein aufgrund der Tatsache, dass sie zur Masse tendiert. Roman ist Masse, nichts als Masse, gleichgültig, wie schmal ein Prosa-Unternehmen beginnt, wie lang es sich seiner Schlankheit bewusst bleibt und sie zu wahren versteht, irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, den Realitäten ins Gesicht zu sehen und zu konstatieren, dass es ohne Masse nicht geht. Warum? Die Frage lässt sich nicht leicht beantworten, es kann geschehen, dass einer, der gerade dazu anhebt, innehält und begreift: die Antwort liegt in diesem Anheben selbst, im Bedürfnis, nicht so schnell zu verstummen, weil doch immer etwas zu sagen bleibt, weil doch immer etwas entwickelt werden muss, wenn es sich darstellen soll.
Dass es sich darstellen soll, versteht sich von selbst, das heißt, es bedarf keiner weiteren Begründung. Was die Menschen Darstellungsdrang nennen, entspringt schließlich einem vernünftigen Bedürfnis, wenn nicht dem Bedürfnis der Vernunft, wenigstens einen marginalen Überblick über die Tätigkeitsfelder der Unvernunft zu gewinnen. So ist es: man gewinnt etwas, wenn man Romane schreibt, auch wenn man es durch den Plural wieder verliert. Seit es schick ist, den Traum der Vernunft zu denunzieren, als sei er es, der die Ungeheuer hervorbringt, soll auch der Roman Ungeheuer hervorbringen und selbst zum Ungeheuer mutieren. Hyperfiction ist die zweite Erfindung des Romans als monströse – und desaströse – Größe: die definitive Nicht-Gestalt des Fortredens oder ‑quatschens, in der sich jeder ein wenig wiedererkennen darf, bevor sie ihn in die Flucht treibt.
Dass der Roman aus dem gehegten Raum zwischen zwei Buchdeckeln ausbrechen würde, war lange in ihm angelegt, man könnte seine Ratio darin vermuten, wenn es so etwas gäbe. Eine Pointe, immerhin, ist erkennbar: was zwischen Form und Nichtform, zwischen Vernunft‑ und Unvernunftkult, zwischen Information und Rauschen, zwischen Vag- und Prallheit, zwischen industrieller Einfallsproduktion und schierer Einfallslosigkeit changiert, was wie ein Schwamm jede Neuerung aufsaugt und die ältesten Ladenhüter ungerührt ins Schaufenster schiebt, besitzt keine respekteinflößenden Grenzen, es kann nur enden oder, sagen wir es ruhig: verenden – an sich selbst, am Gegenüber, am Mangel an Gegenüber, an diesem und jenem, genauer, zwischen allem Möglichen. Er verliert sich, so wie sein Leitfaden, die Vernunft, sich im Weiterreden und Weiterrechnen der Wissenschaften verliert, ohne dass der Übergang sich markieren ließe. Die romanhafte und die wissenschaftsförmige Erschließung der Welt sind alte Verbündete.