Ulrich Schödlbauer: PoliFem sat.2
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Souverän ist, wer über Leben und Tod
auf dem Erdball verfügt. Das sagt sich
fast im Vorbeigehn dahin. ›Sanktionsfrei‹
lautet das Zauberwort, mancher
überhob sich daran. Das Universum, es schmerzt
an dieser Stelle, der verzuglose Treffer
findet den Grund präpariert. Zur Sache geht es
wie immer blutig. Der nichts zu verbergen hat,
ist der Dumme, ihn trifft die Vergeltung
aus halkyonischem Himmel. Wer plant,
denkt planetarisch. Der Rest ist Gezänk.

»Das denke ich auch. Global Player ist jeder.
Ich jedenfalls plane meine Urlaube früh.«
Enjoy!

Stärker ist niemand. Einer könnte, geblendet,
zu hassen beginnen, doch hätte
keiner etwas davon, so erübrigt es sich.
Restlos. Niemand hat das Sagen. Darüber
wissen wir mehr als genug, will sagen, man hat
es oft beschrieben. Der Gegenspieler, er bleibt
im Bild. Charakterfest sind sie alle, an der Stelle
erhebt sich kein neues Problem. Eher ein altes.

Also, aufs Neue gefragt: niemand, wer ist das?
Putzig sieht sie aus, eher unernst, die Frage.
Nur wer Bescheid weiß, weiß sie zu schätzen.
So und nicht anders will es der Weg. Vielgestaltig erscheint
dem Geblendeten, was er nicht sieht.
Polymorph. Auch in der Größe
verschätzt er sich oft, mitunter geht
sie ihm auf wie ein Fenster, maßlos. Denn:

Er selbst ist der Rahmen. Keiner weiß das so gut
wie die eine, der er durch Zufall begegnet
oder ... im Freien. Blickloser Anblick.
Kein Tempel. Müßig, sich dran zu erfreuen. Sicher
ist keiner. Sicher
waren sich diese. Absolut sicher. Mit ihnen
begann das Neue. Niemand sah das anders,
doch wer, bitte, ist niemand? Ein Zwerg.

Auf den Schultern der Riesen, lässig
steht es sich da. Gering wiegt das Fernglas
in der bedeutenden Hand, die gelehrig
sich schließt um den Kern aus Metall, denn Härte
kommt vor dem Gefühl, sie geht
ihm weit voraus und bringt es, wenn’s muss,
kurzerhand zum Verstummen. Im Fall der Fälle
verstummt es sich leicht, zum Bereden
bleibt Zeit, ein Leben lang. Welches Leben, das ist
nicht so wichtig nachher, denn
die Tür steht offen, steht offen, und
wer hindurchschlüpft, verdient sich
eine Nase. Eine goldene hin und wieder
wie Onkel Midas. Je nach den Umständen geht
auch die blutige an, denn: gestillt sein
wollen sie alle. Denn denn denn. Ein Wortspiel beherrscht
die Beherrschten, die Selbst-.

Schachbrett für Tüftler. Im Vorgriff
fallen die Züge leichter, das Matt
bleibt, wo es bleibt, im Futur. Nur gewesen sein
darf es nicht, das schadet dem Herzen und bringt
keine Rendite. Gewesen jedoch
ist es vor jedem Zug, und nichts
bringt es hervor, das nicht löste,
was es verspricht. Nicht die Spur
des Menschen im Sand, der Sand selbst, er schichtet sich um, er
ist ein Gewesener. Auch im Verschwinden liegt Härte.

›Umbau‹, das geht
leicht vonstatten, wenn
der Geist verflog, aber restlos
tilgt er sich nie. Das Ressentiment
ist eine Weltmacht. Die Macht, vielleicht.
Dunkel lebt sie im Wortspiel, doch so, genau so
bleibt sie im Kern. Macht ist Macht. Wer sie kennt, dem klärt
sich alles im Dunkeln. Der Mittag
findet ihn reglos. Kunstvoll
schreiten die Freien, im Hüpfgang
treten sie zwischen die Glieder der Schläfer. Furcht
streut ihr Erwachen zur Unzeit.  
Niemand ist schwächer. Das heißt – etwa, nur so –
dem Erbrechen nahe angesichts der Unwägbarkeiten,
die keinen auslassen. Warum sollten sie? Nicht gelebt zu haben
ist auch ein Freibrief, ausgestellt
auf kommende Katastrophen. Dagegen heißt es sich wappnen.

Sicherheit. Sécurité. Sicurezza. Les-, Lees-, Leeesarten desselben,
was denn sonst? Dasselbe ist nicht dasselbe,
das wissen alle, nur erfährt
derselbe es anders. Daran kommt keiner vorbei
auf dem Pfeilflug ins Aus. Wer plant, so einer
entscheidet sich früh oder er folgt
unschlüssig dem, der entscheidet, obzwar
entschieden zu folgen, oder er sammelt Verbündete. Die sind
leicht zu haben oder sie bleiben
still in Reserve. Dort sind sie
jedermann sichtbar. Allein der Suchende hat ein Problem,
das muss er lösen. Niemand löst es so leicht
wie der Nächstbeste. Das heißt...
der Absturz geht leicht vonstatten. Im Schwindel, huhuh,
schließt sich der Kreis.

Herz, sei gerecht, nicht
gelebt zu haben ist das Problem, sowenig wie leben.
Blicklos geht, was geht. Darin liegt
das Furchtbare blank. Das mag
einer empfinden oder ein anderer geht
locker darüber hinweg. Überhaupt ist das Leichte,
zwanghaft geübt, kein Gewinn. Wer es so ansieht, der
ersetzt leicht den Zensor, ein Lückenfüller, dem Schauen
entwöhnt durch Gewöhnung, denn was
bliebe zu sagen ohne Gestammel in Breiten,
in denen ein Frost häufig die Blüten erwürgt,
nur so, im Vorbeigehn. ›O schmale Breite!‹ –
Ein Wort, ungekonnt, legt die Absencen bloß.
Geborgte Macht! Wie sonst, wie
denn sonst? So geht, was vorgeht,
dir lange nach. Lächerlich ist das nicht.

Was die Spatzen pfeifen, belastet die Dächer
wenig, es füllt nur die Luft, und mancher,
der sich die Ohren zuhält, greift heimlich
zum Hörer, um mitzuzetern, denn Geld
erregt anders als Kinderarbeit oder der Strich
zwischen Arm und Reich die durchgestrichene Welt.
Wo das Geld pur sich vermehrt, in seiner
naturgegebenen Reinheit, dort fühlt es sich... fühlt es sich...
purer. Nur diese Schwäche, diese seltsame Schwäche. Guuut. Gut
macht es sich da, wenn man vertraut, bloß
weil die Lachfalten stimmen. »Der Bursche
hat recht.«
»Hat er?«
»Ich denke, wir sollten ihm
eine Zeitlang vertrauen. Alles andere wäre ja –«
»– pathologisch, wollten Sie sagen?«
»Genau.«

Die Welt im Kasten, über die Maßen begehrt: gern
sieht es der Dichter und weiter nicht
als einen Steinwurf entfernt begeht
ein Minister die Planken, als führ’ er zur See.
Ganz so ist es nicht, eher führt die See
ihn, statt eines Logbuchs. Stramm blicken
die Jungs unter flappenden Blättern, die kein
Wort übersteht: Luft zu Käse. Kriegerisch, ja.

Weiter im Text, auch wenn die
Koseform bricht: da wird es wichtig, zum Beispiel, wer wem
damals, als diese Welt
noch im Entstehen, die
Decke wegzog, denn ohne Not
kehrt keiner sich um. Notzucht also, das Trauma, das
niemanden auslässt, dem’s widerfuhr. Wenn Luft
zu Stein wird, entsteht
der neue Mensch, gelehrig
wie eh und je, auch gefügig. Der Gang durch die
Brandstätten dämpft, und abgeschottet
wächst, ohne Vorlauf, das Wirkliche.
Bombt weiter! Wir werden
uns nicht beteiligen, aber wir sind
an eurer Seite. Denn besser als Zielsein
ist alles.
Schweigsame Stimme. Ihr Ton
dringt hell und klar durch den Orkan der Gefühle.

Noch sind die Mütter nicht unter der Erde und ihre gestörten
Töchter, die Enkel, sie rücken zusammen, den Kassen
fehlt es an Nachwuchs. Allein
die Lebenden merken nichts, denn
sie leben. Das ist gut so, da doch die Härte
sie sinnlos erwischt. Das Taedium Vitae
verdämmert sich leicht, schließlich
fehlts am Latein. Mit beiden Händen
eingegraben ins Leben schmecken sie Blut.

Es gibt eine Alternative. Das sagt sich leicht und es ist
die Wahrheit. Immer die Wahrheit. ›Wir können auch anders‹,
heißt es und niemand zweifelt daran. Dieser aber, niemandes Zweifel,
beherrscht das Feld.

Besser als Zielsein ist alles. Auch daran zweifelt
niemand mit großem Erfolg. Denn
Gemeintsein ist alles. Das
gibt Freiheit, aber
auf Zeit. Am Ende
gilt sie wenig und dem,
der sie beansprucht, gerinnt sie zum Aufschub. Den Weg
kannten andere längst. Wer nicht fromm ist, folgt
den Frömmsten gern, aber aus sicherer Entfernung. Nur der Gläubige kennt
den Unglauben: in ihm quäkt er
sich seinen Göttern zu. Der Weg Europas. Was sich dort sammelt, es folgt
den Spuren der Ochsenkarren im Schlamm,
die niemand sieht. Niemand, zum Unglauben neigend, denn
sein Gehör ist schwach. Nur feinere Töne
dringen durch, das Getöse
kommt aus ihm selbst.

Wenn die Sehnsucht der Menschen
nach Gleichheit ein leises Bedauern
wird oder ein Achselzucken, das schwer
widerlegbar, wenn Differenz
niemanden anficht, sondern das ist, was bleibt, wenn
schwindet, was niemals wurde, nachdem in den Köpfen
es anschwoll, als würden sie platzen, wenn
es nicht am Ende herauskäm, als Summe alles Gelebten:
wenn also, wenn ... wem sage ich das? Niemand hört zu, gelehrig nimmt
er auf, was keiner versteht, obwohl jeder
weiß, was gemeint ist, denn
daran herrscht kein Mangel, nur wer langsam ist im Verstehen,
der lebt gefährlich. Der Durchblick kommt ihm abhanden,
eh’ er ihn fand. Komisches Los. Die Lotterie
schweigt. Sie kommt als Augenpulver, der Angriff
amidst nothing and nothing findet ein Ziel, das nicht wusste,
dass es eins war. Also erfolgreich. Also ohne Erfolg, denn
woran soll man ihn messen? Auch ist die Weigerung stark,
ihn zu erkennen. Die Läsion ›fand statt‹. Das versteht jeder.
Dem Lädierten steht die Welt offen. Täglich
schrammt er die Tür. Gedränge herrscht schon.
Das ändert sich nicht, nur weil
niemand sich zeigt, eher
füllt es sich auf. Die Rücken der Schafe
fühlen sich gleich an, doch unter der Wolle
rührt es sich ungleich. Wer durchkommt, zahlt den Preis
aller Verkrampfung im Sturm, der nicht ausbleibt.

In den Ländern des Hochmuts sammelt
der kleine sich, der den Alltag
kaum zu bestehen weiß, weil er ihn
meint oder nicht meint, beides vielleicht, entscheiden
lässt sich da nichts. Mit der Entscheidung
entwächst ihm die Brut, sie wird
fruchtbar vielleicht, doch das
darf ihn nicht kümmern, denn treffen
wird es ihn anders, ins Herz.
MUT, kleingeschrieben, verbiegt
die Metapher zur Welt. Welcher?
Der Welt im Kopf? Den Kopf
möchte man kennen, und kennte ihn einer
von Kindesbeinen, er möchte ihn missen. Darauf
hofft er vergebens, solange der Tag graut, das
wandert mit. Schlafen, vielleicht, nicht zu lange, und: tot
ist so einer nicht. Tot nicht. Eher geschäftig.

Als die Kaulquappen endlich siegen lernten,
wurde der Raum knapp
unter der Oberfläche des großen
Wassers. Es erwies sich, dass es nicht gut war,
viele zu sein, die sich drängten und stießen, um
erste zu sein unter all den Gleichen. Auch zeigte es sich,
dass es nicht möglich ... nein ... wirklich so war. Denn jene ersten
bewegten sich nicht unter ihresgleichen, sie lehnten es ab.
Ihr Bewusstsein, mehr zu sein, schlug
die glänzende Fläche entzwei. Entsetzt sah man im Strudel
den tödlichen Kampf, das Gemetzel,
dem nur entrann, wen das Glück der Verwandlung
derb überkam, mitten hinein ins Gehoffe, so dass
mit ihm, verzuglos, selbst die Erinnerung schwand.
Sei kein Frosch! Das ist leicht gesagt, unter Märchen-
Kriegern erhält sich die Rede. Manch einem bricht
sie das Genick. Drum meide, wer kann, die Kinder.
Ihr Geplapper ist tödlich. Wer ihnen zuhört, dem
geschieht es leicht, dass er vergißt und niemand
war da, der ihn warnte, denn
unschuldig ist das Gemäuer
und allen dienstbar, im Grundsatz.
Enjoy!

Number One, Top of the Hill.