Ulrich Schödlbauer: PoliFem Note
Es lässt sich kaum verbergen, dass PoliFem sein Thema den ersten Jahren dieses Jahrhunderts verdankt. Dieses Thema ist die Machtfrage, wie sie damals in äußerster Härte gestellt und bis heute nicht wirklich beantwortet wurde. Sie zieht sich durch alle Bereiche des zwischenstaatlichen, des öffentlichen und privaten Lebens hindurch, vergiftet hier eine Existenz, bläht dort eine zu unangemessener Größe auf, verschiebt Proportionen und streut Sand in die Augen der Akteure. Auch Scharfblick verdirbt. Polyphem-Niemand, ein »Bild der Macht, die darauf fixiert ist, herausgefordert zu werden, und blind jede Herausforderung annimmt.«
Juvenals Satiren sind keine Satiren im heutigen Wortsinn. Sie sind Bestandsaufnahmen, das Werk eines Ethikers. Ihre Stimme hat den Verfasser gestreift, er war versucht, dem so lange Toten etwas zurückzuerstatten, von dem er sich nicht überall sicher ist, es von dort erhalten zu haben.

Köln, im September 2009